Symphonien
Zur Chronologie der Symphonien nach Hoboken

Eine genaue und lückenlose Chronologie von Haydns Sinfonien wird wohl niemals möglich sein. Doch gab - und gibt - es stets Bemühungen, eine Reihung zu finden, die der historischen Reihenfolge wenigstens nahekommt.

Zu den ältesten Quellen hiefür zählen der "Entwurf Katalog" (ca. 1765) und das "Haydn Verzeichnis" (1805), die teilweise von Haydns eigener Hand stammen oder von ihm durchgesehen wurden. Leider hat er dabei kaum auf eine Ordnung der Werke nach ihrem Entstehen Wert gelegt. Ihm scheint nur die Vollständigkeit der Verzeichnisse ein Anliegen gewesen zu sein. Dieser Umstand, sowie speziell die Tatsache, dass Haydn seine Autographe (soferne sie überhaupt erhalten sind) oft nur mit Jahreszahlen datierte führen zu den Schwierigkeiten bei der Bestimmung einer exakten Reihenfolge. (Ganz abgesehen vom Selbstverständnis damaliger Verleger und Sammler, die Werke nach eigenen Bedürfnissen zu nummerieren).

So bleiben der Wissenschaft nicht selten mühsame Untersuchungen des verwendeten Notenpapiers, der Personallisten der Musiker, frühester Abschriften und natürlich auch stilistische Betrachtungen etc. als Hilfsmittel für eine - annähernde - Bestimmung des Entstehungsdatums vieler Werke Haydns.

Einen wichtigen Versuch zu einer allgemein gültigen Nummerierung zu gelangen, unternahm Eusebius Mandyczewski in seiner 1908 von Breitkopf und Härtel herausgebrachten ersten kritisch durchgesehenen Gesamtausgabe. Anthony van Hoboken übernahm weitgehend diese Nummerierung für sein 1957 erschienenes Verzeichnis der Sinfonien, nachdem er einige Ergänzungen vornahm. Und er konnte in vielen Fällen schon auf Untersuchungen von H.C.Robbins Landon bedacht nehmen, der seinerseits an einer Chronologie arbeitete. Landons "Chronicle" erschien jedoch erst in den Jahren 1976, 1978 und 1980 und weicht bereits erheblich von der Reihenfolge Mandyczewskis und Hobokens ab.

Dazu kommen viele weitere Bemühungen anderer Wissenschafter die umfassend (oder im Detail) Haydns Werk erforschen wie Georg Feder, Stephen Fisher, Jens Peter Larsen, Horst Walter und dem Joseph Haydn Institut Köln (das seit 1960 an einer chronologisch geordneten Gesamtausgabe arbeitet). James Webster traf beispielsweise eine "Zuordnung der Sinfonien in Perioden".

Hervorzuheben ist auch die Arbeit von Sonja Gerlach "Joseph Haydns Sinfonien bis 1774 - Studien zur Chronologie", (erschienen 1996). Sie hatte sich schon zuvor in mehreren Publikationen des Joseph Haydn Institutes Köln mit dem Thema der Chronologie befasst.

Dennoch blieb die Nummerierung der Werke Haydns in Hobokens Verzeichnis bis heute gültig. Angesichts der eingangs erwähnten Unmöglichkeit einer fehlerlosen Chronologie kommt diesem Verzeichnis - trotz allfälliger, aus dem damaligen Wissensstand erklärbarer Ungenauigkeit - das Verdienst zu, eine "Ordnung" geschaffen zu haben, die weltweit eine "Identifizierung" der Werke Haydns ermöglicht.

Die Beibehaltung der in Literatur und Praxis längst schon etablierten Zählung Hobokens bewahrt damit Haydns umfangreiches Schaffen vor der heillosen Verwirrung die eintreten müsste, wenn seinen Werken alle paar Jahre neue "richtigere" Nummern zugewiesen würden. (Anton Gabmayer)


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