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Kompositionsdatum: 2. Hälfte 1771· Besetzung: 2 Ob Fg 2 Hr – Str · Dauer: 23’ · Nach Entstehungszeit: 52. Symphonie
Hob.I:52 Symphonie in c-Moll
Die Symphonie Nr. 52 ist ein außergewöhnliches Werk, dessen ausdrucksstarke Intensität zeitweilig der "Abschiedssymphonie" gleichkommt. Das Allegro assai con brio eröffnet mit einem ungestümen, unregelmäßigen Unisonothema. Die lange, variierte zweite Themengruppe umfasst sechs Abschnitte, von denen der dritte und fünfte das "zweite Thema" (das beim zweiten Auftreten noch mehr ausgedehnt wird) zweimal vorstellen. Dieses einzigartige Merkmal findet sich nur bei Haydn. Der restliche Teil ist ebenso stürmisch und instabil wie der Anfang. In der Durchführung sind die Kontraste zunächst weit weniger stark ausgeprägt. Schließlich führt eine längere Fortepassage zu einer "falschen Reprise" in der Subdominante f-Moll.
Das Andante in Sonatenform scheint zunächst bezugslos in seinem Kontext zu stehen: es ist ein rhythmisch schwungvoller 3/8 Takt in C-Dur, dessen gemächlich dahinfließendem Hauptthema es sogar erlaubt ist, mit seiner Eröffnungsphrase zu enden. Aber der Übergangsteil tritt ganz abrupt mit einem Forte auf und fährt mit einer ganzen Reihe von unerwarteten und teilweise destabilisierenden Kontrasten fort. Die nachfolgende lange zweite Themengruppe erscheint nach außen hin gemessen; dem Hörer werden jedoch die subtile Chromatik und die unregelmäßigen Phrasierungen auffallen. Die Durchführung besteht aus zwei Teilen: Der erste ist forte und modulierend, während der zweite auf die Paralleltonart a-Moll bezogen ist. Eine seltsam indirekte Überleitung führt zu einer vollständigen Reprise.
Nun folgt ein ausgezeichnetes Beispiel für diesen Hauch von "Exotik", den man bei Haydn häufig in Menuett- und Triosätzen in Moll findet. Trotz der vorherrschenden Pianodynamik, übt er einen unangenehmen Zwang aus. Durch die Durtonart mag das Trio in erster Linie als ein Kontrast erscheinen; es basiert jedoch auf demselben Motiv wie das Menuett, mit dem es auch die tiefere Lage und eine gewisse unregelmäßige Phrasierung gemein hat.
Das Prestofinale greift die Instabilität des ersten Satzes auf, allerdings in unterschiedlicher Art und Weise. Es beginnt mit einem sparsamen, kontrapunktischen Thema, dessen Pianodynamik nicht nur durch das Gegenthema und die Überleitung aufrechterhalten wird, sondern auch durch den langsamen Anfangsabschnitt der zweiten Themengruppe. Sobald schließlich ein Forte hervorbricht, wird der restliche Teil der zweiten Gruppe unbarmherzig in Richtung Schlusskadenz vorangetrieben. Die zweite Hälfte ist ein verblüffendes Beispiel für eine verschmolzene Durchführung und Reprise. Auch sie beginnt mit einem langen Pianoabschnitt (der auf dem zweiten Thema basiert). Das nachfolgende kurze kontrapunktische Forte führt zu einer Wiederaufnahme des Pianoanfangsthemas. Allerdings geschieht dies viel zu früh, so dass es sehr schnell wieder zu der kontrapunktischen Musik zurückführt, der nun die Rolle einer "zweiten Durchführung" zukommt. Dies führt überraschend zu dem letzten Forteabschnitt der Exposition, und erst nach einer Ausdehnung und Pause auf einem dissonanten Akkord kehrt das lang verschollene zweite Thema in der Tonika wieder. Auch dieses Thema kann nicht kadenzieren. Nur eine abrupte Reihe von synkopierten Akkorden, die in einem schockierenden "stillen" Takt gipfeln, kann einen eindrucksvollen Abschluss herbeiführen.
©James Webster

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I. Allegro assai con brio
II. Andante
III. Menuetto e Trio, Allegretto
IV. Finale, Presto
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