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icon   SYMPHONIE 'L´IMPERIALE', 'FESTINO' NR.53 IN D-DUR   info

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Kompositionsdatum: 1778/79· Besetzung: Fl 2 Ob 2 Fg 2 Hr – Pk – Str · Dauer: 25’ · Nach Entstehungszeit: 72. Symphonie
JOSEPH HAYDN: THEATRALISCHE UND POPULÄRE SYMPHONIEN (ca. 1775-78)

Hob.I:53 Symphonie in D-Dur ("L’Impériale")
Die langsame Einleitung, ein Largo maestoso, leitet über zu einem Vivace mit einer für Haydn ungewohnten gleichbleibenden viertaktigen Phrasenbildung, die auf die Dreiklangsstruktur des Hauptmotivs zurückzuführen ist und die zudem durch die langsame harmonische Bewegung hervorgehoben wird. Vielleicht impliziert dies eine Verbindung mit der Bühnenmusik wie wir dies vom Finale her kennen. Diese ungewöhnliche Phrasenbildung wird nicht nur in der zweiten Gruppe fortgeführt, in der das Hauptthema in den Bass wandert und zu einer darüberliegenden, lebhaften Gegenstimme in Achteln geführt wird, sondern erstreckt sich, was noch erstaunlicher ist, auch auf den ersten Teil der Durchführung. Letztere erhält schließlich eine kontrapunktische Führung und beschleunigt sich – wenn dies kein interpretatorisches Zuviel ist – zu Zweitakt-Einheiten; schließlich führt das Hauptmotiv, unter ausgehaltenen Tönen von Blasinstrumenten, in einer herrlichen Passage von "ausgesetzter Lebhaftigkeit" chromatisch zurück in die Reprise. Im Menuett "schließt" der zweite Teil bezeichnenderweise auf einem Trugschluss, wonach eine analoge Passage über einem dominantischen Orgelpunkt die abschließende schwungwolle Passage vorbereitet.
Das Andante-Thema klingt so, als ob es Haydn an eine populäre Melodie angelehnt hätte, auch wenn kein Modell ausfindig gemacht werden konnte; höchstwahrscheinlich hat er es selbst geschrieben. Es steht für seine ganze Welt, in der hohe Kunst unter scheinbarer Schlichtheit verborgen ist. Das satztechnisch einfache Thema besteht aus einer unkomplizierten Doppelperiode, 8 + 8 Takte; jeder Abschnitt ist durch Halbschlüsse in 4+4 Takte unterteilt, und weiter in 2+2+2+2 Takte durch die gleichbleibenden zweitakti-gen Unterphrasen, die stets an dasselbe Motiv gebunden sind. Dennoch ist jede Unterphrase von allen anderen verschieden; außerdem ist die Begleitung im zweiten Abschnitt durch Synkopierungen, Chromatik und Legato dezent umgestaltet, was zu einem deutlichen, wenn auch abgeschwächten Höhepunkt führt. Insgesamt gesehen ist der Satz ein frühes Beispiel der später von Haydn bevorzugten Form des langsamen Satzes: doppelte Variationen über alternierende Dur- und Mollfassungen verwandter Themen.
Von den beiden Finalsätzen (s. die historischen und chronologischen Anmerkungen) ist der spätere, "A", mit "Capriccio. Moderato" bezeichnet. Das Hauptthema dieses Satzes besteht aus einem kunstvollen zweiteiligen Aufbau: a | b–a, mit einer Modulation zur Dominante in "b"; der scheinbar ruhige Verlauf des Hauptthemas wird durch die fünftaktige Phrasenbildung in "a" Lügen gestraft. Der Satz besteht insgesamt aus einer ausgedehnten dreiteiligen Form, wobei der mittlere Abschnitt in der Molltonika steht; er beginnt mit demselben Motiv, nimmt jedoch bald seinen eigenen Weg, und zwar mit einer sonderbaren "weinerlichen" Melodie bei der ersten Kadenz, mit einem durchführungsähnlichen Abschnitt (der an einer Stelle an den ersten Satz von Mozarts "Jupiter"-Symphonie erinnert) und mit einer sehr ausgedehnten Rückführung, die auf dem Hauptmotiv basiert. Die Reprise ist zum Schluss hin erheblich erweitert. Das frühere Finale "B" bestätigt seine Herkunft von der Ouvertüre durch seine geschäftige Lebhaftigkeit (außer im zweiten Thema), durch das Fehlen interner Wiederholungen und seine ausgedehnte sequenzierende Durchführung.
©James Webster

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I. Largo maestoso - Vivace
II. Andante
III. Menuetto e Trio
IV. Finale, Presto
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