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Kompositionsdatum: 1780· Besetzung: Fl 2 Ob 2 Fg 2 Hr – Str · Dauer: 25’ · Nach Entstehungszeit: 75. Symphonie
Joseph Haydn: Ernste Unterhaltung (ca. 1779-81)

Hob.I:62 Symphonie in D-Dur
Dieses Werk zählt zu den ungewöhnlichsten Symphonien Haydns. Alle vier Sätze stehen ohne jeden Tonartwechsel in derselben Tonart (D-Dur): Dies findet sich in keiner anderen Haydn-Symphonie (außer in einigen viel früheren, die mit einem langsamen Satz beginnen). In allen Fällen, in denen Haydn etwas Unerwartetes unternimmt, kann nur eine bewusste künstlerische Entscheidung zugrunde liegen. Das erste Allegro lässt in der Kombination von einer belebten Oberflächenbewegung mit einem langsamen harmonischen Rhythmus erkennen, dass es ursprünglich eine Ouvertüre war. Die Durchführung ist dadurch bemerkenswert, dass sie hauptsächlich auf einer neuen, ruhigen Idee aufgebaut ist, die sich langsam in viertaktigen sequenzierenden Schritten bewegt; nur die Rückführung greift wieder das Material und die Stimmung des Vorangegangenen auf.
Der stilistische und psychologische Mittelpunkt dieser Symphonie ist der zweite Satz, welcher derjenige ist, der "fälschlicherweise" in der Tonika steht. Er ist als Allegretto bezeichnet; d. h. nicht langsam. Der Charakter dieses Satzes ist beinahe einzigartig fur Haydn: ätherisch, delikat, ein wunderbarer Traum bzw. eine schöne Träumerei. Die Stimmung des Anfangs – die hohen Streicher im Piano, Violinen mit Dämpfer, pausierende Bässe – scheint nicht dem Material zu entsprechen, das Charles Rosen beschreibt als "den möglichst geringsten Aufwand – zwei Noten und eine banale Begleitung". Diese Fetzen werden in der Art eines rudimentären umkehrbaren Kontrapunkts (die tieferen Streicher treten bald hinzu) dargestellt; d. h. sie deuten sowohl auf einen geistigen wie materiellen Gehalt hin. Im Verlauf der Exposition setzen die Bläser nacheinander und paarweise ein: die Flöte innerhalb der Überleitung zur Dominante, Oboen und Fagotti bei der ersten Kadenz in die Dominante (der Rhythmus wird komplexer), und die Hörner (das volle Orchester nun im Forte) schließlich zu Beginn des letzten Abschnitts der Exposition, deren Schluss sich jedoch wieder ins Ätherische verflüchtigt. Nach einer kurzen Durchführungsepisode in Moll fügt die Reprise zum ersten Thema eine anmutige Gegenmelodie und eine Erweiterung und Intensivierung der rhythmisch komplexen Passage (statt des Forte des vollen Orchesters) hinzu, und zwar vor den Schlusskadenzen und einer kurzen, ruhigen Coda. Das Menuett ist (an den Maßstäben Haydns gemessen) unkompliziert, während das Trio in der Subdominante und mit seinem Fagottsolo das berühmte synkopierte Trio der "Oxford-Symphonie" vorausahnen lässt, das in derselben Tonart steht. Das Finale in der großangelegten Sonatenhauptsatzform beginnt nicht in der Tonika, was später zu vorhersehbar unvorhersehbaren Konsequenzen führt. Dieser nicht-tonikale Beginn ist wegen der bis dahin (sozusagen) übermäßigen D-Zentrierung der Symphonie zweifellos sinnvoll. Von den vier Sätzen ist das Finale der zugleich am intensivsten durchgearbeitete Satz, der am Schluss ein entsprechendes Gespür für den Höhepunkt erkennen lässt.
©James Webster

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I. Allegro
II. Allegretto
III. Menuet E Trio, Allegretto
IV. Finale, Allegro
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