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icon   SYMPHONIE 'LA ROXELANE', 'ROXOLANA' NR.63 IN C-DUR   info

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Kompositionsdatum: Ende 1779· Besetzung: Fl 2 Ob 2 Fg 2 Hr – Str · Dauer: 22’ · Nach Entstehungszeit: 74. Symphonie
Hob.I:63 Symphonie in C-Dur ("La Roxelane")
Von allen Symphonien in dieser Folge veranschaulicht dieses Werk sehr deutlich Haydns Art und Weise der "Unterhaltung" in den späten 1770er Jahren, die "leichtes", interessantes und abwechslungsreiches Vergnügen bietet. Alle Sätze stehen in Dur und sind unmittelbar fasslich sowie durchsichtig strukturiert. Sie bewegen sich innerhalb vertrauter Stile und Konventionen und weisen nur an wenigen Stellen eine expressive Intensität auf. Zu Beginn des ersten Satzes sind zwischen dem ersten Thema und seiner Beantwortung die Kontraste in der Dynamik, der Instrumentation und der satztechnischen Gestaltung kristallklar, so dass die folgenden schnelleren und komplexeren Kontraste ebenso verständlich sind. Die ohne Überleitung einsetzende zweite Gruppe fällt in eine Reihe von blockartigen, wiederum im Inneren kontrastierende Phrasen, die gelegentlich dem ersten Satz der Symphonie Nr. 82 "Der Bär" ähneln, der in derselben Tonart und Taktart steht. Die Durchführung beschränkt sich auf nahe verwandte Tonarten und vermeidet entfernte oder "verwickelte" Modulationen. Andererseits ist sie im Verhältnis zur Exposition ungewöhnlich lang und enthält umfangreiche Wiederholungen von thematischen Blöcken; Haydn gleicht dies durch umfangreiche Kürzungen in der Reprise aus.
Das Allegretto ist ein doppelter Variationssatz (A-B-A1-B1-A2-B2) über eine schwungvolle Melodie, die in den Quellen als "La Roxelane" bezeichnet wird. Wir wissen nicht, ob sie der Bühnenmusik entnommen wurde, die Haydn 1777 für das Theaterstück von Favart komponiert hat oder ob sie von ihm 1779 neu geschrieben wurde. Obwohl der übliche tonartliche Aufbau vertauscht ist – das "Hauptthema" steht in c-Moll, während das kontrastierende Thema in der Durtonart erscheint – setzt sich, wie vorauszusehen war, am Schluss die Durtonart durch. Die letzte Mollvariation verändert ein wenig die Harmonien und den Phrasenrhythmus, während die wiederholten abschließenden Dur-Abschnitte, die vom vollen Orchester gespielt werden, den Schlüssen von kunstvoller ausgearbeiteten Variationssätzen in C-Dur und Zweiertakt in der "Symphonie mit dem Paukenschlag", der "MilitärSymphonie" und der "Symphonie mit dem Paukenwirbel" ähneln.
Das "galante" Menuett mag altmodisch klingen, jedoch ist an Haydns Spiel mit dem "lombardischen" Motiv im Piano, das zum ersten Mal am Ende des Anfangsabschnitts erscheint, nichts "Glattes"; das Trio ist ein Duo für Oboe und Fagott, die durch die Streicher pizzicato begleitet werden. Das Finale in der Sonatenhauptsatzform ist geprägt durch zahlreiche kontrastierende Brüche und Stilmischungen: Ausbrüche in entfernte Klänge, eine harmonisch indirekte Rückführung in die Reprise und sogar eine Art von vierstimmigem Kontrapunkt in der Durchführung. Diese Gegebenheiten könnten nahelegen, dass Haydn gegen seine implizite generelle Ausrichtung auf "reine" Unterhaltung verstieß. Jedoch werden sie eher nur anderen "leicht hörbaren" Passagen hinzugesetzt, als dass sie, wie eine spätere Ästhetik es verlangt haben würde, integraler Bestandteil des Satzes sind.
©James Webster

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I. Allegro
II. Allegretto (O Piu Tosto Allegro)
III. Menuetto
IV. Finale, Presto
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