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icon   SYMPHONIE 'TEMPORA MUTANTUR' NR.64 IN A-DUR   info

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Kompositionsdatum: (Herbst?) 1773· Besetzung: 2 Ob Fg 2 Hr – Str · Dauer: 22’ · Nach Entstehungszeit: 58. Symphonie
Hob.I:64 Symphonie in A-Dur ("Tempora mutantur")
Dieses Werk meidet das Extrem und zeichnet sich – bis auf den langsamen Satz – durch Witz und Esprit aus. Das anfängliche Allegro con spirito beginnt ruhig mit einer lyrischen Melodie für Streicher, zu der sich dann überraschend ein kontrastierendes Fortemotiv für das gesamte Orchester gesellt. Die Fortspinnung variiert diese Kontraste ganz neuartig, und allmählich erkennt man, dass sich der ganze Satz durch Witz, Phantasie und unerwartete Kontraste in Bezug auf Material, Dynamik, Instrumentierung und harmonische Richtung auszeichnet.
Ein ganz anderer Kontrast wird durch das Largo geschaffen, das zu Recht als der exzentrischste Satz, den Haydn je komponiert hat, gilt. Wahrscheinlich bezieht sich der rätselhafte Beiname der Symphonie "Tempora mutantur etc.", der auf dem Umschlag eines authentischen Stimmenkonvoluts (heute in Frankfurt befindlich) angegeben ist, auf dieses Largo. Dieser lateinische Zusatz spielt sicherlich auf das moralisierende Epigramm des elisabethanischen Dichters John Owen an, das auch im 18. Jahrhundert noch bekannt war:
Tempora mutantur, nos et mutamur in illis:
Quomode? Fit semper tempore peior homo.
(Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen.
Wie? So wie die Zeiten schlechter werden,
so auch der Mensch.)
Über diesen außergewöhnlichen Symphoniesatz könnte man einen ganzen Artikel schreiben. Ich erwähne hier nur die Unfähigkeit, musikalische Phrasen richtig zu vollenden, und seine Diskontinuität hinsichtlich Material, Dynamik und Register, die Verweigerung, eine klar verständliche Form zu erzielen und vor allem sein absichtlich seltsamer und fast unzusammenhängender Schluss.
Das folgende Menuett muss schon deshalb in diesem Kontext "normal" klingen. Es ist auch normal (insofern dies irgendein Haydn-Menuett sein kann): das eigenartige registerhafte Spiel, punktierte Motive und die Pianowiederkehr der ersten Phrase als Schlussstrophe sind ganz typisch für ihn. Allerdings trifft dies überhaupt nicht auf die Art und Weise zu, wie im Trio das Zwischenspiel in Moll mit einer "verschleierten" Rückkehr des Anfangsthemas fest miteinander verzahnt wird.
Das Finale, ein unregelmäßiges Rondo, nimmt wieder exzentrische Züge an. Das Hauptthema besteht aus zwei Teilen (a und b), die wiederum jeweils zwei Phrasen (von sechs Takten in a) umfassen. Jede Phrase (insgesamt acht, einschließlich der Wiederholungen) endet mit einem merkwürdigen, unbegleiteten Nachschlag. Dann entwickelt sich Thema b in eine zweite Gruppe in der Dominante E-Dur. Dies bricht plötzlich ab für Thema a, ebenso plötzlich wandelt es sich in ein neues "raketenähnliches" Thema in Moll (c) und noch überraschender wechselt es in die Tonika des gesamten Themenkomplexes a+b zurück. Als dieser gerade endet, stößt es noch abrupter mit einem neuen und längeren Zwischenspiel, das auf Motiv c basiert und in fis-Moll beginnt, zusammen, und genauso geschickt wie zuvor kehrt es schließlich zu Motiv a zurück. Dieses wendet sich jetzt in seine eigene Molltonart (a-Moll) und spiegelt sogar einen Scheinkontrapunkt vor, ehe es zum allerletzten Mal zu a+b und einer verspielten Coda zurückkehrt, in der Haydn beweist, dass selbst "das allerletzte Mal" eine Illusion sein kann.
©James Webster

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I. Allegro con spirito
II. Largo
III. Menuet e trio, allegretto
IV. Finale, presto
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