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Kompositionsdatum: 1769· Besetzung: 2 Ob Fg 2 Hr – Str · Dauer: 24’ · Nach Entstehungszeit: 48. Symphonie
Hob.I:65 Symphonie in A-Dur
Diese Symphonie ist beinahe ebenso "theatralisch" wie die Nr. 59. Zwar steht ihr einleitendes Vivace e con spirito der "neutralen" Rhetorik gewöhnlicher Symphonien näher; aber immerhin wird darin auf herrlich launige und originelle Weise der anfängliche Kontrast auskomponiert: zwischen drei Aufmerksamkeit heischenden "Hammerschlag"-Akkorden (man beachte die ungewöhnliche melodische Abfolge 1-4-3) und der nachfolgenden ruhigen, immer wieder von der Tonika abweichenden Melodie. Geistreich setzt Haydn bereits zu Anfang der Durchführung eine "Scheinreprise" ein, und zwar nur der ruhigen Melodie und nicht der Hammerschläge, und anschließend komponiert er die "echte" Reprise um. Das Andante wiederum ist derart exzentrisch, dass es unaufhaltsam den Gedanken an die Bühne heraufbeschwört. Es ist in Sonatensatzform gehalten, aber sein unerwartetes, gelegentlich desorientierendes Aneinanderreihen von vier unvereinbaren Motiven -einer Cantabile-Phrase mit von der Tonika abweichendem Kopfmotiv in Triolen, einer Bläserfanfare, einem kargen Orgelpunkt aus wiederholten Noten und einer gewundenen Phrase für Unisonostreicher - scheint jeder formalen und rhetorischen Schicklichkeit zu spotten.
Das Menuett verblüfft durch seinen Rhythmus. Eine "normale" Eröffnungsphrase mit hervorstechenden Doppelschlagmotiven auf dem jeweils ersten Taktteil wird in der Dominante beantwortet; nun jedoch erscheint die Doppelschlagfiguration akzentuiert auf jedem vierten Taktschlag (im gesamten Gefüge, nicht nur als Synkope zu ansonsten stetiger Betonung auf dem ersten Takt). Der plötzliche Ausbruch in 4/4-Takt wirkt in diesem Zusammenhang schockierend; man könnte sich an Brahms erinnert fühlen, wenn dieser spätere Bewunderer Haydns seine rhythmischen Spielereien in ebenso unverhohlener Manier ausgeführt hätte. Das Trio steht wie das der Nr. 59 in der Moll-Tonika und wird von den Streichern allein dargeboten; es wechselt zwischen einem verstohlen verschwörerischen ornamentalen Ostinato und einer eindeutig verschwörerischen ansteigenden Sequenz hin und her; letztere ist als Hemiole angelegt: in Form von Gruppierungen aus zwei Noten im Rahmen eines 3/4-Takts, und mithin in "gegenteiliger" rhythmischer Deformation wie das Menuett. Das Presto-Finale ist ein übermütiger Tanz, in dessen Verlauf die charakteristische melodische Figuration im 12/8-Takt durch einen Hornruf in Oktaven eingeführt wird. Bald darauf übernehmen die Hörner die 12/8-Figuration, begleitet von mächtigen Streicherakkorden (man wird an die Hammerschläge des ersten Satzes erinnert), und es entspinnt sich eine ausgelassene Final-Exposition. Zu Beginn der Durchführung bringt der Hornruf eine von Haydns verblüffendsten Überraschungen hervor. Hiernach herrscht Ruhe, außer dass am Anfang der Reprise weder das tänzerische Motiv noch die Hammerschläge zu hören sind – nur um nach einer Wiederholung des ersten Themas im Stile einer Coda als stürmischer Höhepunkt dieses prachtvollen Finales zurückzukehren.
©James Webster

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I. Vivace e con spirito
II. Andante
III. Menuetto e trio
IV. Finale, presto
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