Symphonien
icon   SYMPHONIE NR.68 IN B-DUR   info

info zurück zur Übersicht  

Kompositionsdatum: ca. 1774/75· Besetzung: 2 Ob 2 Fg 2 Hr – Str · Dauer: 30’ · Nach Entstehungszeit: 65. Symphonie
Hob.I:68 Symphonie in B-Dur
Der erste Satz, ein Vivace, beginnt mit einem ruhigen, fließenden 3/4-Thema, das voraussehbar später lebhafter wird und schließlich zu einem "zweiten Thema" führt, das, ohne laut zu lachen, grausam anzuhören wäre. Die Durchführung scheint ereignislos zu sein, bis Haydn, bevor wir dessen gewahr werden, durch einen tonalen Kunstgriff in die Reprise gleitet. Das Ende des Satzes weitet das tonal verschobene Schlussthema beträchtlich aus.
Zum letzten Mal in seinem sinfonischen Schaffen (die wenigen übrigen Beispiele sind alle viel früher) stellt Haydn das Menuett an die zweite und den langsamen Satz an die dritte Stelle. Ersteres nimmt, mit quadratischer Phrasenbildung und einfacher Satztechnik, ein rustikales Wesen an, während das Trio seine Subtilität, mit scherzhaften auftaktigen Phrasen, im Ärmel trägt, was auf das Trio der "Oxford" Symphonie hindeutet.
Das Adagio cantabile ist wohl der außergewöhnlichste Satz in dieser Folge, vor allem hinsichtlich der verwirrenden Affektmischungen. Das Anfangsthema und die Überleitung werden beinahe vollständig alleine von den mit Dämpfern versehenen Violinen gespielt; die Melodie in den ersten Violinen scheint willkürlich, repetierend und richtungslos zu sein. Unterdessen schreiten die zweiten Violinen in ununterbrochenen, beinahe mechanischen Sechzehnteln voran, scheinbar abgesondert von der grüblerischen darüberliegenden Melodie (viele werden mit Charles Rosen an die Symphonie "Die Uhr" erinnert sein) – abgesehen von gelegentlichen Forte-Einwürfen des vollen Orchesters auf demselben Sechzehntelmotiv, die jedoch niemals genau dann kommen, wenn sie es "sollten". Die Wirkung ist zugleich amüsant und verwirrend. Im weiteren Verlauf des Satzes wird die rigide Unterscheidung von Melodie und Begleitung komplexer, während der Ausdruck an Ernst zunimmt (obwohl zunächst nicht für allzu lange), bis in der stark modulierenden Durchführung jeder Humor zurückgelassen wird. Dennoch kehren alle diese Diskontinuitäten in der Reprise zurück. Der Satz ist in seiner Gesamtheit nicht leicht zu "durchschauen". Sind die komischen Elemente "theatralisch" oder von höherem Esprit, oder eine Art brechtscher Verfremdung? Fügen sich diese ungleichartigen Elemente zu einer zufriedenstellenden Einheit zusammen oder erfahren sie keine Integration?
Das Rondofinale, das der reinen Unterhaltung so nahe kommt wie sonst nie bei Haydn, wird nicht von solchen Schwierigkeiten der Interpretation überschattet. Das Hauptthema ist eine rauhe Dreiklangsgeschichte; auch nutzen die Episoden, trotz ihrer ansprechenden Mannigfaltigkeit, nicht die kühn modulierenden oder kontrapunktischen Passagen, die Haydn gewöhnlich in diesem Kontext bietet – auch wenn eine Reprise eine rohe kanonische Variante des Hauptthemas enthält. In der komischen Coda wird alles übermäßig wiederholt (dies ist keine Kritik): ein hoher dominantischer Orgelpunkt verhallt; der Reihe nach in allen Instrumenten "Echosolo"-Ein-sätze auf dem Hauptmotiv, die diese Dominante geistreich auflösen; ein Tremoloaufgang und insgesamt "zu viele" jauchzende Akkorde am Ende.
©James Webster

X
I. Vivace
II. Menuetto e Trio
III. Adagio cantabile
IV. Finale, Presto
Sie hören Adam Fischer
Interpreten wählen:   Antal Dorati info   Adam Fischer info   Christopher Hogwood info


Joseph Haydn
The Symphonies

Philharmonia Hungarica
Antal Dorati


33 CDs, aufgenommen 1970 bis 1974, herausgegeben 1996 Decca (Universal)

im iTunes music store kaufen
bei Amazon.de kaufen


Haydn
Symphonies complete

Austro-Hungarian Haydn Orchestra
Adam Fischer

33 CDs, aufgenommen 1987 bis 2001, herausgegeben 1996
Brilliant Classics

bei Amazon.de kaufen


Haydn
Symphonies

Academy of Ancient Music
Christopher Hogwood

10 doppel- und triple-CDs
aufgenommen und herausgegeben 1990 bis 2000
Decca (Universal)

im iTunes music store kaufen
X