Hob.I:90 Symphonie in C-Dur
Auch diese Symphonie wurde 1788/89 im Auftrag der Pariser Loge Olympique, sozusagen als Nachbestellung der sechs ’Pariser Symphonien’ Nr. 82-87 geschrieben und ist, wie auch Nr. 91 und 92 dem Auftraggeber Comte d’Ogny, zugeeignet. Gleichzeitig hat Haydn als tüchtiger Geschäftsmann diese Symphonien auch dem Fürsten Oettingen-Wallerstein verkauft, der ein glühender Haydn-Verehrer war und bei Haydn Symphonien in Auftrag gab. (Auf die Frage, warum der Fürst nur Kopisten-Abschriften erhalten habe, rechtfertigte sich Haydn, ein Augenleiden habe ihn daran gehindert, eine eigenhändige Reinschrift zu liefern.)
Nr. 90 und Nr. 91 stehen ein wenig im Schatten der berühmten ’Oxford’-Symphonie Nr. 92 - was die C-Dur-Symphonie Nr. 90 betrifft, keineswegs zu Recht. Grundsätzlich weisen alle unmittelbar vor der Londoner Zeit geschriebenen Symphonien bereits die souveräne Durchgestaltung allen formalen Details auf, eine äußere Simplizität bei komplexer innerer Struktur.
Das Hauptthema des ersten Satzes ist eigentlich nur eine unscheinbare Kadenzfloskel, die als solche in der langsamen Einleitung bereits vorweggenommen und dann mit kühnem Kunstgriff ’zweckentfremdet’ an die Spitze des schnellen Hauptteils gesetzt wird. Hier ist zum ersten Male in der Geschichte der Symphonie der Versuch gemacht, langsame Einleitung und raschen Hauptteil miteinander zu verschränken. Die Tonrepetitionen, die den Kopf dieses Themas bilden, durchziehen gleichsam alles beherrschend den ganzen Satz, kontrapunktiert nur durch einen synkopisch geprägten Einwurf und unterbrochen von einem figurativ-spielerischen Seitenthema, was alles zusammen eine äußerst plastische Satzgestaltung ergibt. Am Schluss des Satzes kehrt das Hauptthema zu seiner Funktion als Kadenzformel zurück.
Der zweite Satz weist eine hohe formale Eigenwilligkeit auf: zwei kontrastierende, in Dur und Moll stehende Formteile, die in einer Art Doppelvariation abwechselnd weiterentwickelt werden. In einer der Variationen darf die Flöte Solo-Instrument spielen.
Beim Finale, einem rasanten und mit Kunststücken aller Art gespickten monothematischen Sonatensatz, nimmt die Coda, der Schlussteil, ein ganzes Drittel des Satzes ein. Beim Beginn dieser Coda wagt Haydn einen besonders kühnen ’Gag’ - einen jener Überraschungseffekte, deren man bei ihm stets gewärtig sein muss. Was es ist, wird hier nicht verraten: Wenn es ein Dirigent darauf anlegt, fällt auch ein Wiener Musikvereins- oder Salzburger Festspielpublikum auf Haydns Symphonieschluss herein, und das sogar zweimal unmittelbar
hintereinander, wenn der zweite Teil des Finales - wie vorgeschrieben - wiederholt wird!
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I. Adagio - Allegro Assai
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II. Andante
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III. Menuet e Trio
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IV. Finale, Allegro assai
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