Symphonien
Im allgemeinen komponierte Joseph Haydn für ein Ensemble, das man heutzutage als Kammerorchester bezeichnen würde; bis in die 80er Jahre des 18. Jahrhunderts war dieses Ensemble in der Tat sehr klein. Während seiner ersten Jahre am Hofe Esterházy (bis ca. 1768) bestand die normale Besetzung aus 13 bis 16 Musikern: die Streicher verteilten sich im allgemeinen 3-3-1-1-1 (obwohl zeitweilig bis zu 8 Violinen eingesetzt worden sein mögen), dazu kamen Oboen und Hörner paarweise, ein Fagott (das den Basspart vom Cello und Kontrabass verstärkte), und oft eine Flöte; Trompeten und Schlagwerk kamen nur im Ausnahmefall hinzu. (Das noch frühere Ensemble beim Grafen Morzin war vermutlich auch nicht größer; nach der Musik zu urteilen, verfügte es über keine Flöten.) Gegen Ende der 60er Jahre nahm die Anzahl der Musiker langsam zu, was sich vorwiegend der wachsenden Vorliebe des Fürsten für die Oper verdankte, die ein größeres und vielseitigeres Ensemble erforderlich machte. Von ca. 1768 bis ca. 1775 umfasste es in der Regel 16 bis 18 Instrumentalisten, wobei die Streicher etwa 4-4-2-1-1- besetzt waren; 1776 als die Hofoper eröffnet und die Saison verlängert wurde, wuchs das Ensemble weiter an und erreichte in den 80er Jahren ein Maximum von 22 bis 24 Musikern, mit einer Streicherbesetzung von etwa 6-5-2-2-2. Nur in London, wo Salomons Orchester 1792-94 annähernd 40 Mitglieder (etwa 8-8-4-5-4) hatte und das "Professional Orchestra" 1795 an die 60 Instrumentalisten beschäftigte (etwa 10-10-5-6-5, mit verdoppelten Bläsern), waren Haydns brillante, "öffentlichen" Symphonien größer besetzt. Haydn setzte, außer in London, für seine Symphonien höchstwahrscheinlich kein Tasteninstrument ein. Diese Ansicht, die von früheren Meinungen abweicht, wird heute unter Musikwissenschaftlern weithin anerkannt.