Hob.I:57 Symphonie in D-Dur
Der Anfang der Nr. 57 ist ungewöhnlich; die Symphonie beginnt mit einer langsamen Einleitung, der bei weitem längsten, die Haydn bis dahin komponiert hatte. Das darauf folgende Allegro hat im Gegensatz zu den anderen Kopfsätzen in dieser Folge quasi eine Perpetuum mobile-Struktur (in Achteln) und einen langsamen, harmonischen Rhythmus. Es ist auch sehr lang, vor allem die Exposition; es gibt nicht nur einen, sondern gleich zwei kontrastierende piano-Abschnitte, und Haydn hat es gar nicht eilig (in allen diesen Punkten ähnelt das Allegro dem Kopfsatz von Nr. 42, ebenfalls in D-Dur; vgl. Folge 6).
Das Adagio im 6/8-Takt mit Thema und Variationen basiert auf einem der größten Geniestreiche Haydns. Das Thema besteht aus zwei Teilen; der erste Teil wechselt zwischen drei kontrastierenden Motiven: kurz und pizzicato; kurz und legato, länger und liedartig. Im zweiten Teil behauptet sich die melodische Linie jedoch früher, wird erweitert, und der Gefühlsausdruck vertieft sich – bis das ursprüngliche Pizzicato als Schlusskadenz wieder auftritt – ein alter Scherz, der von Haydn selten so bewegend realisiert wird wie hier. Der Rest des Satzes besteht aus vier Variationen, die herrliche Abwandlungen der Instrumentierung, filigrane Ausschmückungen für die Geigen und gegen Ende verstärkte Chromatik und dichtere Strukturen miteinander kombinieren. Leider besteht Haydn darauf, als abschließende Geste den Scherz noch einmal zu wiederholen.
Das Menuett, das auf einem munteren Doppelschlagmotiv aufbaut, hat einen stark verlängerten zweiten Teil und umfasst unter anderem eine klare Koda im Anschluss an die strukturelle Schlussphrase. Die beiden letzten Takte tanzen einstimmig durch den Dreiklang aufwärts und werden dann zu unserer Überraschung sofort in d-Moll wiederholt, als Anfang des Trios – aber so, dass die ersten vier Takte wie ein Übergang klingen, als ob das "eigentliche" Trio erst mit dem fünften Takt begänne und in B-Dur komponiert wäre. Erst ganz am Schluss wird die Form klar: Diese ersten Takte in d-Moll bilden tatsächlich den Anfang des Trios.
Das Finale ist ein ausgelassenes Prestissimo; das sehr schwierige Hauptthema (mit einem weiteren Doppelschlagmotiv) leitet sich anscheinend von einer österreichischen Albernheit aus dem 17. Jahrhundert mit dem Titel "Kanzone und Capriccio über das Gackern von Hennen und Hähnen" ab. Nichts stört die Dynamik; nur an einer Stelle legt Haydn eine kurze Pause ein, um seine typische Kombination von Witz und Gefühl einzufügen. Über den "Affekt" des Schlusses kann es jedoch keinen Zweifel geben.
©James Webster
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I. Adagio - Allegro
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II. Adagio
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III. Menuet e Trio, Allegretto
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IV. Finale, Prestissimo
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