Joseph Haydn
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Nachdem Graf Morzin in fianzielle Schwierigkeiten geraten war und er seine Musiker entlassen musste, fand Joseph Haydn beim Fürsten Esterházy schnell einen neuen Dienstherren.

Als Joseph Haydn 1761 seinen Dienst antrat, war die kleine Barockstadt Eisenstadt am Westufer des Neusiedlersees der ständige Wohnsitz der Fürsten Esterházy. Haydn bezog eine Mietwohnung, ehe er sich 1766 ein eigenes Haus in der Nähe des Franziskanerklosters kaufte. Eisenstadt hatte sich Mitte des 17. Jahrhunderts vom Kaiser Ferdinand III. als König von Ungarn die Erhebung zur königlichen Freistadt erkauft, um sich gegen die mächtige Familie Esterházy behaupten zu können.

Haydns neuer Dienstherr ab dem Jahr 1761 war Fürst Paul Anton I. Esterházy (1711-1762) in Eisenstadt, der wie seine Vorfahren musikliebend war. Die Familie Esterházy war eine der reichsten und mächtigsten der österreichisch-ungarischen Monarchie. Sie besaß außer ihrem Palais in Wien Schlösser in ganz Ungarn und im heutigen Burgenland. Die Fürsten Esterházy lebten königlich und regierten wie Souveräne über ihr Fürstentum. Als "Vice-Kapellmeister" des Fürsten Esterházy in Eisenstadt begann ein wichtiger Abschnitt in Haydns Leben: "...allwo ich zu leben und zu sterben mir wünsche", schrieb Haydn in einem Brief vom 6. Juli 1776. Die ersten Kompositionen waren die Symphonien "Le Matin", "Le Midi" und "Le Soir" (Hob.I:6-8).

Haydns erster Vertrag mit Fürst Paul Anton I. Esterházy stammt vom 1. Mai 1761. Als Haydn seine Tätigkeit in Eisenstadt begann, wurde er vorerst als "Vice-Kapellmeister" angestellt, da der in hohem Alter stehende und kränkliche Georg Joseph Werner (1693-1766) offiziell noch Leiter der fürstlichen Kapelle war. Haydns Kontrakt verpflichtete ihn, sich angemessen zu verhalten und zu kleiden, ferner ein Beispiel für seine ihm untergeordneten Musiker zu sein und Musik auf Verlangen des Fürsten zu komponieren. Seine Aufgaben reichten von der Pflege der Instrumente und der Archivierung des Notenmaterials bis zum Unterrichten, Komponieren und Konzertieren. Fürst Paul Anton I. Esterházy, der im Schloßpark ein Glashaus in ein Theater umgestalten ließ, starb am 18. März 1762.

Fürst Nikolaus I. Esterházy (1714-1790) trat am 17. Mai 1762 das Erbe seines Bruders Paul Anton an. Er wurde Haydns Gönner und Dienstherr für beinahe 30 Jahre. Der Beiname "Der Prachtliebende" weist darauf hin, daß er gerne Geld für große Feste und besondere Feierlichkeiten bereitstellte - der Dichter Johann Wolfgang Goethe schrieb in seiner Autobiographie vom "Esterházyschen Feenreich". In vielerlei Hinsicht war Nikolaus I. ein vorbildlicher Mäzen, und der aus einfachen Verhältnissen stammende Haydn wurde nach dem Güterregent und dem Leibarzt der drittbest bezahlte "Hausoffizier" des Fürsten Esterházy. Diese finanzielle Rangordnung zeigt die bedeutende Stellung, die Haydn einnahm und das hohe Ansehen, das Haydn genoß: "Mein Fürst war mit allen meinen Arbeiten zufrieden, ich erhielt Beyfall (...) ich war von der Welt abgesondert (...) und so mußte ich original werden." (Griesinger)

Fürst Nikolaus I. Esterházys Lieblingsinstrument war das Baryton, das er selbst spielte, und so erwartete er von seinem Kapellmeister, dass dieser neue Musik für dieses Instrument schreibe. Das Baryton ist ein dem Cello ähnliches Instrument, das nicht nur Saiten zum Streichen, sondern auch hinter dem Griffbrett solche zum Zupfen hat. Haydn komponierte unter anderem 125 Divertimentos für Baryton, Viola und Cello, ebenso zahlreiche Solostücke, Duette und Ensemblemusik mit Soli für ein, manchmal für zwei Barytone. Nach dem Tod des Kapellmeisters Georg Joseph Werner im Jahre 1766 übernahm Haydn die volle musikalische Verantwortung.

Nachdem Joseph Haydn nun Erster Kapellmeister geworden war, kaufte er in Eisenstadt ein hübsches kleines Haus nahe dem Franziskanerkloster, das er um 1000 Gulden erwarb. Leider brachte ihm das Haus nicht viel Glück, da es zweimal abbrannte. Fürst Nikolaus I. Esterházy ließ es beide Male auf seine Kosten wieder aufbauen - ein Beweis dafür, wie sehr er seinen Kapellmeister schätzte. Haydn seinerseits "schwor dem Fürsten, ihm so lange zu dienen, bis der Tod über dessen Leben oder über sein eigenes entscheiden würde.." (Dies). 1778 verkaufte Haydn das Haus. Seit 1935 ist darin das Haydn-Museum untergebracht.

In der Nähe des südöstlichen Ufers des Neusiedlersees besaßen die Fürsten Esterházy ein kleines Jagdschloß, das nach dem nahegelegenen Ort Süttör benannt war. Fürst Nikolaus I. hatte eine besondere Vorliebe für diesen Ort und so beschloß er, dieses Gebäude in ein prächtiges Schloß, daß seit 1766 "Eszterháza" genannt wurde, zu verwandeln. Es war eine außergewöhnliche Idee, inmitten eines sumpfigen Seewinkels ein "ungarisches Versailles", dessen Anlage ein Opernhaus, ein Marionettentheater und zahlreiche Nebengebäude enthält, zu errichten - und diesen Ort zu einem Kulturzentrum zu machen, das europäischen Maßstäben gewachsen war. Seit ungefähr 1766/67 wurde Eszterháza in den Sommermonaten zum Zentrum der Tätigkeit Haydns.

Haydns erste für den Esterházyschen Hof geschriebene Oper "Acide" wurde 1763 anläßlich der Hochzeit des ältesten Sohnes des Fürsten Nikolaus in Eisenstadt aufgeführt. Nach der Übersiedlung des Hofes nach Eszterháza wandte sich Haydn mit "La canterina" (1766), "Lo speziale" (1768) und "Le pescatrici" (1769) erneut der Oper zu. Ab dem Jahr 1776 standen auf dem Spielplan des Fürsten täglich Opern- und Theateraufführungen: in der Zeit von 1780 bis 1790 leitete Haydn über 1000 Opernvorstellungen. Von den insgesamt 78 bis zum Jahr 1784 gespielten Opern stammten 15 von Joseph Haydn. Dieser umfangreiche Opernbetrieb beanspruchte Haydn sehr. Von historischer Bedeutung war der Besuch der Kaiserin Maria Theresia in Eszterháza im September 1773, in dessen Verlauf sie die Marionettenoper Haydns "Philemon und Baucis" genießen konnte. Während dieses Besuches wurde Haydn der Monarchin formell vorgestellt.